Aufbau des Medizinstudiums

 

Der folgende Artikel soll euch über den Aufbau und die Prüfungen des Studiums informieren. Er bezieht sich auf den klassischen Regelstudiengang in Deutschland. Im Gegensatz dazu gibt es mittlerweile an einigen Universitäten sogenannte Reformstudiengänge, deren Aufbau teilweise stark davon abweicht.

Der Aufbau des Medizinstudiums ist in der Approbationsordnung geregelt. Der erste Studienabschnitt dauert vom ersten bis zum vierten Semester und schließt mit dem ersten Staatsexamen, auch Physikum genannt, ab.

Die ersten vier Semester werden Vorklinik genannt. Diese Zeit wird genutzt, um den Studenten grundlegendes, naturwissenschaftliches Wissen zu vermitteln. Fächer wie Biologie, Physik, Chemie, Physiologie, Soziologie und noch einige andere werden gelesen und mit Prüfungen abgeschlossen.

Erst wenn alle Scheine in diesen Fächern gemacht wurden, kann man sich nach zwei Jahren für das Physikum anmelden. Für die Scheine gibt es keine Noten, die für das Staatsexamen Relevanz haben. Es geht im Prinzip nur um das Bestehen.

Die magischen 60% kennt jeder Medizinstudent in der Vorklinik. Sind alle Vorklinischen Kurse erfolgreich absolviert worden, müssen noch zwei weitere Voraussetzungen erfüllt sein, um sich für das Physikum anmelden zu können. Die Teilnahme an einer Ausbildung in Erster Hilfe muss nachgewiesen werden und insgesamt drei Monate Krankenpflegepraktikum müssen absolviert worden sein.

 

Das Pflegepraktikum darf nur vor dem Studium oder in den Ferien gemacht werden, das heißt nicht unter dem Semester. Es empfiehlt sich möglichst einen Großteil davon vor dem Studium zu machen, damit in den Ferien Zeit bleibt sich zu erholen und vielleicht Urlaub zu machen.

Nachdem all diese Dokumente beim Landesprüfungsamt eingegangen sind, wird man zum Physikum eingeladen.

 

Das Physikum ist in zwei Abschnitte geteilt. Über zwei Tage wird eine schriftliche Prüfung im Multiple-Choice-Format geschrieben in der gesamte Lerninhalt der vergangenen zwei Jahre abgefragt werden kann.

Wenige Tage bis zu Wochen später werden die Fächer Anatomie, Physiologie und Biochemie in Form einer mündlichen Prüfung abgefragt. Dabei können die schriftliche und die mündliche Prüfung unabhängig von einander bestanden werden.

 

 

Nach dieser teils wirklich stressigen Zeit beginnt der nächste Abschnitt, der klinische Abschnitt. Auch Klinik genannt.

 

Die Klinik umfasst die Semester fünf bis zehn. In den Semestern geht es hauptsächlich um Krankheitsbilder, deren Diagnostik und Therapie, aber es werden auch Fächer wie Naturheilkunde oder Statistik behandelt.

In den einzelnen Fächern gibt es dann die Noten 1 bis 4. Note 5 wäre nicht bestanden und die Prüfung muss wiederholt werden. Der klinische Abschnitt endet mit dem zweiten Staatsexamen.

 

Bis dahin müssen allerdings noch insgesamt 4 Monate, genauer 120 Tage, in einer Klinik oder Praxis als Praktikant gearbeitet werden. Das wird Famulatur genannt. Dabei gibt es folgende Vorgaben:

Zwei Monate davon müssen in einem Krankenhaus oder in einer rehabilitativen Einrichtung absolviert werden. Der Fachbereich darf selbst gewählt werden, genauso wie das Krankenhaus. Ein weiterer Monat muss in einer ambulanten Einrichtung gearbeitet werden, das kann sowohl eine Praxis als auch ein Ambulanzbereich einer Klinik sein. Der Fachbereich kann auch hier selbst gewählt werden

Im Gegensatz dazu ist es mittlerweile Pflicht von den vier Monaten einen Monat bei einem Allgemeinmediziner zu verbringen.

 

Sind sowohl die Famulaturen abgeleistet, als auch alle Prüfungen bestanden worden, steht dem zweiten Staatsexamen nichts mehr im Wege.

 

Das zweite Staatsexamen, auch kurz STEX genannt, besteht ähnlich wie das Physikum, aus Multiple-Choice-Fragen. Die Prüfung ersteckt sich über drei Tagen. Pro Tag werden über 5 Stunden ca. 100-120 Fragen abgefragt. Abgefragt kann und wird alles was im Studium (in den vergangenen 5 Jahren) gelernt wurde.

Natürlich wird hauptsächlich Stoff aus der Klinik abgefragt, aber es wird auch immer wieder eine Frage eingestreut, die auch in der Vorklinik gestellt werden könnte.

 

Wurde das zweite Staatsexamen bestanden, kommt die Zeit des Praktischen Jahres, kurz PJ.

Das PJ ist ein ganzes Jahr lang Praktikum/ Hospitation in einem Krankenhaus. Der PJ-Student arbeitet im Krankenhaus wie ein Unterarzt mit und erledigt alle Aufgaben von Stationsarbeit bis zu Operationsassistenz.

Aufgeteilt ist das PJ in 3 Tertiale, somit sind wir Studenten jeweils 4 Monate in einer Abteilung.

Die Fächer Chirurgie und Innere Medizin sind Pflicht und ein Tertial ist frei wählbar. Viele Studenten nutzen diese Zeit, um noch einmal Erfahrungen im Ausland zu machen oder um das richtige Fachgebiet für sich selbst zu entdecken. An den meisten Universitäten ist egal, wo das Praktische Jahr abgeleistet wird, ob im Ausland oder beliebiger deutscher Stadt, bleibt dem Studenten überlassen.

 

Nach dem PJ steht die letzte Hürde bevor, die zwischen dir und deiner ärztlichen Approbation steht. Der dritte Abschnitt der ärztlichen Prüfung ist eine mündlich-praktische Prüfung, in denen die Themen Innere Medizin, Chirurgie, das Wahlpflichtfach und ein zugelostes Fach abgefragt werden. An zwei Tagen werden in Gruppen von maximal vier Studenten Fragen dazu gestellt. Nach Bestehen dieser letzten Prüfung ist das Studium beendet und man kann sich endlich Arzt nennen und endlich anfangen als Arzt zu arbeiten.

 

Rein formal muss die Approbation noch erteilt werden, aber das ist nur ein weiterer bürokratischer Schritt und sollte kein Problem mehr sein.

 

 

Im Anschluss an das Studium geht in der Regel die Assistenzarztzeit los, die zwischen 5-10 Jahre dauert. Doch da die Möglichkeiten nach dem Studium sehr sehr vielfältig sind, wird dieses Thema in einem anderen Post behandelt.