Teddybärklinik

 

Im Teddybärkrankenhaus wird Kindern die Angst vor dem Arzt- oder Krankenhausbesuch spielerisch genommen.
– Angst mit Kuscheltieren bekämpfen

Diese Situationen kennen die meisten von uns:
– Man sitzt auf dem Stuhl beim Zahnarzt und hat bereits vor der Behandlung Schweißausbrüche.
– Wir betreten ein Krankenhaus, und die Umgebung, der Geruch, ja vielleicht sogar die eine oder andere Erinnerung an das Krankenhaus bereiten uns sofort ein unbehagliches Gefühl.
Emotionen wie Angst, Zweifel und Unsicherheit sind leider oftmals tief in unserem Unterbewusstsein verankert und bleiben in unseren Köpfen.
Und wenn unsere Kleinsten zum Onkel Doktor müssen, sind diese Besuche nicht selten begleitet von Tränen-Vergießen und Misstrauen gegenüber dem medizinischen Personal.

Um den Kindern die Angst vor dem Arztbesuch zu nehmen, enstand das Projekt Teddybärkrankenhaus.

Das Teddybärkrankenhaus richtet sich primär an Kinder im Alter von 3-6 Jahren. Bereits vor den Projekttagen beschäftigen sie sich im Kindergarten oder gemeinsam mit den Eltern mit den Themen Krankheit und Gesundheit. Sie überlegen sich eine Krankengeschichte für ihr Lieblings-Kuscheltier und gehen damit ins Teddybärkrankenhaus. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Von gebrochenen Herzen, über Schmetterlinge im Bauch, bis hin zu sehr ernsten Verletzungen und sogar Krebserkankungen: die Kinder lassen sich die spannendsten Geschichten einfallen.

Nach der Anmeldung und einem kurzen Aufenthalt im Wartezimmer wird das Kind von einem Teddy-Arzt abgeholt. Teddy-Ärzte sind freiwillige MedizinstudentInnen, die gemeinsam mit den Kleinen und deren Kuscheltiere die einzelnen Stationen des Krankenhauses durchlaufen. Diese werden möglichst realitätsgetreu nachgestellt.

Im Teddybärkrankenhaus in Feldkirch (Österreich) beispielsweise finden sich neben einer Notfallambulanz, Radiologie, Operationssaal und Apotheke die sogenannten „Ministationen“: diese umfassen ein Teddy-EKG inklusive Blutdruck-Manschetten, einen Teddybären mit Plüsch-Organen sowie Labor-Teddys zur Blutabnahme mit Himbeersirup. Desweiteren findet man eine Zahnarztstation sowie einen vollausgestatten Rettungswagen.

Nachdem die Kuscheltiere erfolgreich therapiert wurden gibt es noch Goodie Bags für die Kinder, gefüllt mit kleinen Geschenken.
Durch den Besuch der einzelnen Stationen lernen die Kinder spielerisch die Abläufe in einem Krankenhaus kennen. Das Wichtigste dabei ist, dass nicht die Kinder, sondern ihre Plüschtiere die Patienten sind. Sie lernen, dass nicht alles was in einem Krakenhaus passiert weh tun muss.
Die Organisatoren arbeiten mit dem Ziel, dass die Kinder eines Tages, wenn sie selbst ins Krankenhaus müssen und Patienten sind, nicht mehr soviel Angst haben.

Teddybärkrankenhäuser gibt es seit den 90er Jahren. Das Projekt wurde von der IFMSA (International Federation of Medical Student Associations) ins Leben gerufen und finanziert sich ausschließlich durch Spendengelder. Seit dem Jahr 2000 findet das Projekt in Deutschland statt und mittlerweile auch auf der ganzen Welt.

Kann man die Angst vor dem Arzt mit Teddybären überwinden? Ist es möglich eine Blutabnahme bei Kindern durchzuführen ohne sie dabei zum Weinen zu bringen?  Die Organisatoren des Teddybärkrankenhaus beantwortet diese Fragen mit „Ja!“.

 

 

 

Eine Geschichte aus dem Teddybärkrankenhaus

Der kleine Bruno ist 5 Jahre alt. Er sitzt mit seiner Plüsch-Schlange im Wartezimmer. Eine große Frau mit weißem Mantel kommt zu ihm und fragt ob sie mit ihm ins Teddybärkrankenhaus gehen darf. „Du hast ja auch eine Schlange“, sagt Bruno und zeigt auf das Plüschtier, das um das Stethoskop der Medizinstudentin gewickelt ist. „Meine Schlange ist krank… Sie hat Halsschmerzen.“
„Dann wollen wir deine Schlange mal wieder gesundmachen. Komm mit!“, meint die Teddy-Ärztin.

Die erste Station ist die Notfallstation. Natürlich müssen zuerst die Schmerzen gelindert werden. Eine kleine Spritze und ein großer Verband dienen als Erstmaßnahmen. Und natürlich wird alles akribisch auf dem Kuscheltier-Anamnesebogen dokumentiert. Dann geht es weiter in die Radiologie. Die dort durchgeführte CT lässt keine Zweifel: Die Schmerzen der Schlange kommen eindeutig von einer gespaltenen Zunge.
Da gibt es nur eine Therapie: Ab in den Operationssaal. Bruno darf bei der Narkose helfen. „Wird sie wirklich nichts davon spüren?“, fragt Bruno den Mann mit der grünen Haube. „Kein bisschen davon, versprochen! meint der Plüschtier-Chirurg. „Hier: der Mundschutz ist für dich. Den werden wir brauchen um deine Schlange nicht aufzuwecken.“

Es wird intubiert und operiert. Bruno darf natürlich assistieren. Die Zunge wird genäht und die Schlange in den Aufwachraum gebracht. Dort wird noch ein Kontroll-EKG geschrieben.
Alles ist in Ordnung.

Die letzte Station ist die Apotheke. Nach Allergie-Ausschluss bekommt Bruno einen „Werde-schnell-gesund-Apfel“. Außerdem muss er seiner Plüsch-Schlange 3 Tage lang gute Nacht-Geschichten erzählen, damit auch die letzten Reste der Wunden abheilen können.
Bruno und seine kleine pelzige Freundin werden wieder sicher zur Kindergartenpädagogin zurückgebracht. Zum Schluss bekommen sie noch einen Goodie Bag, gefüllt mit Geschenken. Dann geht es zum Ausgang, vorbei an vielen anderen Kindern, die schon darauf warten, dass ihre Plüschtiere geheilt werden.

 

Autor: Dominik Klug www.instagram.de/dominik_klug
PhotoCredits: Matthias Weissengruber Photography