Warum finde ich die Dermatologie so interessant?

 

Kurz - sehr sehr vielfältig.:
- Konservativer Teil
- Chirurgischer Teil
- Tagesklinischer Teil
- Durchweg super freundliche Arbeitskollegen
- Forderndes Fach mit komplexen Krankheitsbildern und oft vielen Nebendiagnosen
- humane Arbeitszeiten
- Möglichkeit der Niederlassung

 

Was im Folgenden beschrieben wird, spiegelt lediglich meine Erfahrungen wider. Viele haben ganz andere Erfahrungen gemacht.

Mittlerweile finde ich die Dermatologie sehr sehr interessant, doch das war nicht schon immer so. Erst relativ spät im Verlauf des Studiums habe ich das Fach Dermatologie überhaupt kennen gelernt. In Magdeburg wurde die Dermatologie erst im vierten Studienjahr gelehrt. Da die Prüfung für die Dermatologie erst im fünften Studienjahr anstand habe ich mich logischerweise auch erst dann wirklich damit auseinandergesetzt. Leider sehr spät.

Doch die Entscheidung für die Dermatologie ist wie vieles in meinem Leben eine relativ begründete Entscheidung gewesen.

Zu Beginn des Studiums wollte ich unbedingt Chirurg werden. So habe ich mein Pflegepraktikum auf chirurgischen Station gemacht und auch meine ersten Famulaturen in der Chirugie gemacht. Je mehr Praktika ich in den Bereich gemacht habe, desto mehr faszinierte mich die Chirugie. Allerdings habe ich auch mehr und mehr Einblicke in den Arbeitsalltag der Chirurgen bekommen und mir dann gedacht, dass ich nicht ewig so arbeiten möchte. Bis 40 Cool, aber was dann? Also habe ich mich nach Alternativen umgeschaut.
Offensichtlich waren erst einmal die ganzen kleinen operativen Fischer. Darunter fallen die Ophthalmologie, die Hals Nasen Ohren Heilkunde, die Dermatologie, die Gynäkologie, die Urologie und die Mund-Kiefer-Gesischtschirurgie. (vielleicht habte ich was vergessen)
Also habe ich eine Famulatur in der Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde gemacht. Das hat mir gut gefallen allerdings ist mir aufgefallen, dass mich Ohren nicht so besonders interessieren. Da einer der drei Buchstaben der HNO das O ist, also fällt dieses Fach damit für mich raus.
Meine Erfahrungen in der Gynäkologie waren nicht die berauschensten, da das Team meistens unter sehr viel Stress stand und in dem Frauenhaufen viel "Zickenkrieg" herrschte. Nicht meins.. Meine Erfahrung in der Urologie waren durchweg super, allerdings möchte ich mich nicht mein Leben lang mit Penissen beschäftigen.
Als Wahlfach im Studium Augenheilkunde (Ophtalmologie) gewählt. Das Fach empfand ich super interessant, nach dem Wahlfach dann nicht mehr so, da man erst sehr spät im Verlauf der Ausbildung selber operieren darf, wenn nicht sogar erst als Facharzt.
Allerdings habe ich im Wahlfach den sehr netten Laborleiter kennen gelernt, der mir angeboten hat an Rinderaugen unterm Mikroskop nähen zu lernen. Das habe ich mit großer Freude gemacht und bin ein halbes jahr einmal die Woche ins Labor gegangen um Rinder- und Schweineaugen aufzuschneiden und dann wieder zuzunähen. 🙂

Dann habe ich mir gedacht schau ich mir doch als letzte übrig gebliebene Option einfach mal Dermatologie an. Und sieh an, seit dem ersten Arbeitstag wurde ich mit super super netten Arbeitskollegen konfrontiert, die mich direkt am ersten Tag der Famulatur herzlichst begrüßt haben und freundlich ins Team aufgenommen haben. Schon vom ersten Tag an gefiel mir das Arbeitsklima in der Dermatologie super. Das blieb auch so. Alle neuen Kollegen die ich kennen gelernt habe, bis zur Chefebene, waren äußerst freundlich. Das findet man nicht häufig in der Medizin. (jedenfalls habe ich das bisher noch nicht so oft erlebt)
Dann kam natürlich auch der Einblick in das dermatologische Arbeitsfeld. Und ich muss sagen, ich war fasziniert.

 

Im Großen und Ganzen gibt es 3-4 Stationen. Die konservative Station mit den dermatologischen Erkrankungen die konservativ mit Cremen/Salben/Pasten/etc. und Tabletten und Infusionen behandelt werden. Die Chirurgische Station, die sich primär um Hauttumore kümmert. Die Tagesklinische Station, auf der kleinere Hauterkrankungen, rezidivierende Hauterkankungen behandelt werden und möglicherweise auch die poststationäre Nachsorge erfolgt. Die Allergologie und je nach Einrichtung noch eine Disziplin für chronische Wunden.
Dieses sehr breite Spektrum gefällt mir gut. Man ist nicht nur auf den konservativen Teil, wie in der Inneren Medizin beschränkt, aber auch nicht nur auf den chirurgischen Teil, wie in der Chirugie.
Was mir in der Chirurgie äußerst gut gefallen hat, ist die direkte Sichtbarkeit der Arbeit. Arm ab, Arm dran - man sieht direkt was gemacht wurde. In der Dermatologie ist es ähnlich. Für den Laien, oder zum Teil auch für mich, sehen viele der Effloreszenzen (Hautveränderungen) einfach nur rot aus. Nach der richtigen Diagnosestellung und der Applikation einiger Cremes, sieht man jedoch relativ schnell eine deutliche Veränderung des Hautbefundes und des Allgemeinbefindens des Patienten. Das ist natürlich sehr befriedigend!
Am aller besten hat mir auch in der Dermatologie der chirurgische Teil gefallen. Gerade die Tumoreingriffe sind extrem spannend. Die oberflächlichen Hauttumore die zum Teil groteske oder gar bizarre Ausmaße annehmen, werden meist innerhalb weniger Minuten beziehungsweise weniger Stunden entfernt. Sehr sehr beeindruckend finde ich das. Der Hautdefekt, der in der Haut entstanden ist, wird dann mittels Lappenplastik verschlossen. (Haut wird zusammengezogen oder von anderen Körperstellen verpflanzt) Auch in der Tourmvorsorge kann man in der Dermatologie sehr viel machen. Da die Tumoren fast immer oberflächlich sind und an der Haut gut sichtbar sind, kann man frühzeitig den Tumor erkennen und frühzeitig die Tumorekämpfung einleiten. Eine sehr befriedigende Aufgabe mit interessanten aber auch nicht allzu langen Operation.
In Magdeburg habe ich eine überragende Operateurin hören kennen gelernt, die mir sehr  viel gezeigt hat und nicht für den Bereich Dermatologie absolut faszinieren konnte.
So habe ich mich nach meinem einmonatigem Praktikum, vorerst über einige Monate noch einige Hospitationstage an den großen Operationstagen absolviert und mich dann dazu entschieden auch mein PJ in in der Dermatologie zu absolvieren.
Ortstechnisch habe ich zwischen Hamburg und Bremen tendiert. Da Hamburg abgesagt, hat bin ich dann nach Bremen gegangen. Bremen war im Nachhinein die absolut richtige Wahl. Ein hervorragendes Team das wieder super nett war. Es scheint sich durch die ganze Dermatologie zu ziehen, mit kompetenten Oberärzten die sehr lehrwillig waren und mir viel gezeigt und beigebracht haben. Im Operationssaal hatte ich wieder eine klasse Oberärztin, die mir sehr viel gezeigt hat und mich viel assistieren lassen hat. Auch auf der konservativen Station habe ich mein Wissen weiter ausbauen können und viele Krankheiten gesehen, die ich davor noch gar nicht so richtig zuordnen konnte.

Kurz um, Bremen hat mich von der Dermatologie überzeugt und so plane ich meine erste Assistenzarzt-Stelle auch in der Dermatologie anzutreten.

Das ist der Plan, aber wer weiß, im Leben wird manchmal alles anders als man es sich vorstellt.

In diesem Sinne, Stay tuned.