Mein PJ im Ausland – Das Praktische Jahr im Ausland

Chirurgisches PJ-Tertial auf Martinique.

Ich habe bereits einen Blogpost zu Martinique verfasst, in dem viele Eindrücke der Insel vermittelt wurden. Dennoch möchte ich in diesem Blogpost noch etwas mehr auf die Zeit auf Martinique eingehen.

Bis zur Mitte des vierten Studienjahres wollte ich Chirurg werden. So habe ich mir auch relativ früh einen PJ Platz in der Schweiz in Luzern organisiert. Ein exzellentes Lehrkrankenhaus und mit einer idyllischen Lage in der Schweiz. Primär mit dem Gedanken sehr viel Chirurgie zu lernen und möglicherweise auch eine Anstellung in der Schweiz zu bekommen, wollte ich auch mein chirurgisches PJ-Tertial dort verbringen. Doch nach und nach rückte der Wunsch reiner Chirurg zu werden immer weiter in den Hintergrund.
Zu dem gleichen Zeitpunkt stand in etwa fest, dass ich wohl Dermatologie machen möchte. Somit fiel für mich der karrieretechnische Aspekt des chirurgischen PJ-Tertials weg und ich überlegte was ich denn nun noch von dem chirurgischen Tertial mitnehmen könnte.

Schnell war klar, ich wollte noch eine neue Sprache lernen oder eine vorhandene deutlich verbessern. Nachdem ich mit meinen Bewerbungen an jeder spanischen Uniklinik kläglich gescheitert bin, dachte ich „Ok warum eigentlich nicht französisch ausbauen?“

Ich habe mir in der Liste für Ausländische PJ Tertial mögliche Standorte für das PJ angeschaut und mich direkt in den Überseedepartments Martinique, Guadaloupe und La Réunion beworben.

Martinique hat als erstes zugesagt also ging es für mich nach Martinique. Rückblickend: Eine phänomenale Wahl.

In Vorbereitung auf den Aufenthalt habe ich mein Schulfranzösisch (4 Jahre) ca. 8 Monate vorab mit täglichen  30min -1 Stunde Lerneinheiten mit dem Lernprogramm Babbel aufgefrischt.

Das hat ganz gut geklappt. Als ich ankam und von den überwiegend dunkelhäutigen Bewohnern Martiniques empfangen wurde, war ich dennoch zunächst geschockt. Schulfranzösisch war ganz anders, viel klarer. Auf der Insel sprechen die Bewohner zum Teil mit einem starken kréolischen Einfluss. Nach wenigen Wochen konnte ich dann aber auch die Einheimischen ganz gut verstehen.

Am ersten Arbeitstag in der Klinik wurden wir herzlich von den anderen Pjlern, die sich in dem von uns versetzten Turnus befanden und schon vor Ort waren, empfangen und herum geführt.

Auf der Station waren wir dann zum Teil etwas zu viele Pjler, sodass es wenig bis kaum Aufgaben von den sowieso limitierten Stationsaufgaben für uns gab. Die Ärzte waren teilweise von immer neuen ausländischen Studenten genervt. Ein Teil war sehr engagiert und hatte Lust uns Studenten viel zu erklären und wieder ein anderer Teil drückte sich ganz vor dem Kontakt mit den Studenten.
Für uns Pjler hieß es morgens um 8:00 Uhr bei der Visite mitlaufen und danach in den OP oder mit in die Consultations (Sprechstunden) zu gehen. Je nach dem welcher Arzt gerade da war, konnte man recht viel selber machen oder aber gar nichts machen.
Im OP konnten wir Assistieren oder unter Anleitung kleine Eingriffe selber vornehmen.
In den Consulations saßen wir eigentlich die meiste Zeit daneben, haben den Beratungen zugehört und im Anschluss kurz über den Patientenfall gesprochen.

Der frühe Nachmittag war meist die Zeit, in der uns freigestellt wurde das zu tun nach dem uns beliebte.

Im Anschluss an die Arbeit bot Martinique als Karibische Trauminsel alle möglichen Gelegenheiten die Freizeit so zu verbringen, wie einem beliebte. Ob schnorcheln, surfen, segeln, einfach nur faul am Strand liegen oder aber lernen. Für jeden was dabei.

Martinique war das für mich perfekte PJ Tertial.

 

Doch bevor man sich für Martinique entscheidet sollte man sich vorher bewusst sein, dass einem fast niemand auch nur irgendetwas freiwillig beibringt. Wer viel lernen möchte, muss aktiv nachfragen und ein extrem hohes Eigenengagement zeigen. Deutlich mehr als in Deutschland.
An den OP-Tisch darf prinzipiell zunächst jeder der Studenten. Aber nur wer sich gut anstellt, wird die nächsten Male auch wieder gefragt.
Für diejenigen, die noch nie eine Famulatur in der Chirurgie gemacht haben und im Praktischen Jahr noch etwas chirurgisch lernen möchten, empfehle ich  Afrika, andere Entwicklungsländer, die Schweiz oder ein deutsches Krankenhaus das laut Erfahrungsberichten „gut“ ist.
Hinzu kommt auf Martinique, dass ein gewisses Maß an sprachlicher Kompetenz vorausgesetzt wird. Mit Englisch kommt man im Alltag und Tourismusbereich zwar sehr weit, im Krankenhaus wird allerdings ausschließlich Französisch gesprochen. Wer also kein Französisch spricht, sollte möglicherweise besser nach einer Klinik in einem englischsprachigen Land suchen.

Um das chirurgische Tertial des Praktischen Jahres auch finanziell zu realisieren, habe ich mich auf ein ERASMUS-Stipendium beworben. An sich ein sehr einfacher Bewerbungsprozess. Ich musste ein kurzes 1-2 Seiten langes Motivationsschreiben formulieren und beschreiben warum Ich der richtige für das Stipendium bin und vorallem warum ich in ein französisch sprachiges Land möchte und warum gerade nach Martinique?
Wenn die initiale Bewerbung akzeptiert ist, gilt es noch ca. 20 Seiten Bewerbungspapiere auszufüllen, viele Unterschriften der heimischen wie auch der ausländischen Universität zu sammeln und wenn das alles geklappt hat, gibt es auch schon Geld. Ich habe ca. 1200€ für die 4 Monate erhalten. Davon habe ich mir direkt ein neues KameraObjektiv gekauft, danke Europa!
Also schreckt nicht zurück vor den Bewerbungsunterlagen. Es ist viel, aber auch sehr einfach auszufüllen und lohnt sich.

Im Folgenden sind noch einige Abschnitte aus meinem Erasmus-Auslandsbericht.

  1. Vorbereitung Heimatland:

Etwa ein halbes Jahr vor Praktikumsbeginn habe ich mich an dem C.H.U. Zobda Quitman, Martinique per Mail bei der Personalerin Murielle Doens Murielle.Doens@chu-fortdefrance.fr beworben. Nach meiner zweiten Mail im Abstand von ca 2 Wochen, erhielt ich prompt eine Zusage. Per Mail sehr kurz angebunden, doch beim persönlichen Kontakt dann sehr freundlich, ist Muerielle Doens für die Organisation und die Erasmus-Unterlagen vor Ort zuständig. Um schnell die Erasmus-Formulare unterschrieben zurück zu bekommen, ist es sinnvoll alles vorab richtig auszufüllen und zu markieren, wo Murielle Doens ihre Unterschriften und Stempel setzen soll.

  1. Finanzen.

Martinique ist schweineteuer.

Ca. 40% höhere Lebenshaltungskosten als Frankreich, vorallem beim Lebensmitteleinkauf bemerkbar.

Zur Info – auch in Frankreich sind Lebensmittel deutlich teurer als in Deutschland.
Mein persönlicher Tipp: Guckt nicht so sehr auf das Geld, denn: Wann hat man jemals wieder die Chance vier Monate in der Karibik zu verbringen? Wenn man gegenrechnet, dass man für eine möglicherweise „zu teure“ Erfahrung das nächste Mal erst aus Deutschland hinfliegen müsste, überlegt man vielleicht zweimal, ob es wirklich zu teuer ist.
Ich habe in der Zeit relativ viel Geld online verdient und auch ziemlich viel ausgegeben. Wer auf häufiges Essen gehen und viel Meeresfrüchte/Fleisch essen verzichtet, kann mit 800-900€ bestimmt sehr gut mit vielen Aktivitäten auf der Insel überleben.

  1. Unterkunft (Wohnheim / Privat, Preis, Qualität, evtl. Adresse, Tipps)

Einige PJ Studenten habe ihre Wohnung bereits von Deutschland aus übers Internet organisiert. Dazu eignen sich verschiedene Websiten. Typisch – Airbnb oder Fewo, aber auch französische wie https://www.leboncoin.fr oder http://www.appartager.com/. Letztere ist für WG Zimmer gut geeignet. Da 4 Monate nun doch eine etwas längere Zeit ist, habe ich mir für die ersten 10 Tage bei Airbnb etwas gemietet und vor Ort nach einer Bleibe gesucht.
Wohnungspreise sind relativ teuer auf Martinique. Am besten zieht ihr in eine WG oder tut euch mit anderen Pjlern zusammen. In Fort de France direkt zahlt man für relativ schäbige Zimmer oft bereits knapp 400€!
Ein sehr wichtiger Tipp ist das Handeln! Falls ihr 4 Monate bleibt, empfehle ich vor Ort eine Bleibe zu suchen. Bei allen Preisangeboten, die auf Airbnb etc gemacht werden, kann generell mindestens 30% wegen Langzeitmiete abgezogen werden. Also um den Mietpreis feilschen nicht vergessen

 

Ein weiteres absolutes MUSS ist ein AUTO für die Insel! Ohne erreicht ihr nichts! Öffentliche Transportmöglichkeiten gibt ist zwar, aber da die Uni außerhalb der Stadt ist und prinzipiell vor jedem Kreisverkehr Stau ist, ist das Bussystem zur Uni sehr unzuverlässig. In der Nebensaison (sommermonate) gibt’s Mietautos für ca. 10€/Tag und in der Hauptsaison (wintermonate) für ca. 20€/Tag. Wer sich traut kann auch über eine „private“ Autovermietungsplatform https://www.carfully.fr/ buchen. Da spart man etwas Geld. WICHTIG! Unterbodenschutz.

ps.: Es sind nur Strandbilder, da ich im Krankenhaus keine Bilder gemacht habe.