Praktisches Jahr in Südfrankreich Montpellier

 

 

Ursprünglich wollte ich eigentlich gar nicht nach Frankreich. Vor dem PJ hätte ich mir niemals erträumt, jemals in einem französischen Krankenhaus zu arbeiten. Für das letzte PJ-Tertial habe ich mir eigentlich ein PJ in der Inneren Medizin in Hamburg am UKE organisiert. Doch dann kam alles anders. Wie so oft im Leben.

 

Während meines ersten Tertials des Praktischen Jahres auf Martinique hatte ich so viel Spaß und habe die französische Lebensweise so sehr genossen, dass ich mich während des ersten Tertials noch auf einen PJ- Platz in Südfrankreich bewarb. Ausschlaggebend dafür war primär, dass ich die französische Sprache weiter ausbauen wollte. Dabei habe ich kurzerhand alle Kliniken entlang der Südküste Frankreichs kontaktiert.

Von dem CHU Montpellier erhielt ich als erstes eine Zusage, also ging es nach Montpellier.

Vorab habe ich fast nichts organisiert. Allerdings habe ich mein Französisch nochmal etwas aufgefrischt. Nach Südfrankreich ging es mit dem Auto. Ein legendärer Roadtrip, der durch Deutschland, die Schweiz und Italien nach Südfrankreich führte. Phänomenal. Mehr dazu findest du hier.. ---- ROAD TRIP  ------

Für die 3-monatige Praktikumsdauer mitten im Hochsommer wollte ich auf jeden Fall mitten in der Stadt wohnen, mitten im Geschehen sein.

Ich habe ein schönes Zimmer in absoluter Spitzenlage in Centre Ville kurz neben dem Place de la Comedie gefunden! Perfekt. Jeden Abend waren unzählige Menschen auf der Straße, überall war Musik, Gelächter und es war immer warm genug für T-Shirt und kurze Hose. So konnten die Feierabende in der Abendsonne oder einem der unzähligen Bars & Restaurants ausgiebig genossen werden.

 

(in dem Eckhaus ganz oben auf dem Eck war mein Balkon; der mit dem Stuhl am Geländer)

 

Aber nun zum Praktischen Jahr – Hierbei habe ich Einiges aus meinem Erasmus-Bericht kopiert.(Extern = Famulant oder PJ Student)
Die ersten 8 Wochen des Praktischen Jahres im CHRU Montpellier waren interessant. Außer mir gab es im ganzen Krankenhaus nur 2 weitere deutsche PJ-Studenten, von denen eine eigentlich Französin war, aber in Deutschland studiert hat.
Die französische Studentin war mit mir auf einer Station eingeteilt. Ebenso war ein französischer Externer im letzten Studienjahr mit uns auf Station.

Arbeitsbeginn ist um 9:00 Uhr und Arbeitsschluss meist gegen 17:00-19:00 Uhr. Also ein richtiges Vollzeit-PJ.

Morgens gab es für mich als Externer (PJ- Student) meist relativ wenig zu tun. Bei der morgentlichen Visite mitlaufen,  ab und an Scheine für Untersuchungen ausfüllen, telefonieren um Ergebnisse von Untersuchungen zu erhalten o.ä..

Am Nachmittag erscheinen die neuen Patienten zur Aufnahme. Die Patientenaufnahmen kann der PJ-Student vorbereiten, EKG schreiben, körperliche Untersuchung durchführen, Anamnese erheben etc. Das war's auch schon. Blutentnahmen macht das Pflegepersonal.

In der Zwischenzeit ist noch eine rumänische Studentin für eine Famulatur gekommen.

Nachdem die ersten sechs Wochen super verliefen, gestalteten sich die verbleibenden sechs Wochen weniger schön.
Der französische Externe und die französische PJlerin beendeten ihre Zeit nach knapp zwei Monaten und somit war kein Muttersprachler mehr unter uns Praktikanten.
Die Ärzte hatten direkt weniger Lust uns etwas zu erkären und wir wurden deutlich weniger in den Klinikalltag eingebunden. So hieß es gegen Ende oft einfach nur die Zeit absitzen. Was ganz schön langweilig sein kann. Früher gehen war auch nicht drin. Ich habe die Zeit oft genutzt um mich schonmal auf das anstehende Staatsexamen vorzubereiten.

Ab und an kamen französische Studenten der höheren Studienjahre auf Station um ihr Externat abzuleisten.

Arbeitsklima:

Vorab habe ich über Frankreich einige Vorurteile gehört, vor allem negativ.

  • Franzosen seien so eingebildet.
  • Franzosen mögen Ausländer nicht etc.

Auf Martinique wurde ich sehr herzlich empfangen und habe ganz andere Erfahrung gemacht als die Vorurteile behaupteten. Also bin ich unvoreingenommen nach Frankreich gefahren.

In Südfrankreich sind die Assistenzärzte es gewohnt, dass ausländische Erasmus-Studenten über den Sommer für ein Praktikum kommen. Soll bedeuten, Studenten kommen primär für den Sommer und nicht für das Praktikum. Die Motivation der Assistenzärzte den Erasmusstudenten etwas beizubringen hält sich dementsprechend in Grenzen. Absolut verständlich, aber natürlich dennoch etwas ungünstig.

Ich war auf der Diabetologie & Endokrinologie eingeteilt. Hier war 80% der Patienten an Diabetes erkrankt. Am häufigsten mit einem entgleistem Diabetes oder mit Komplikationen, meist dem diabetischen Fuß.
Medizinisch habe ich tatsächlich vieles Neues über Diabetes gelernt.

Die anderen 20% der Patienten hatten entweder endokrinologische Erkrankungen wie z.b. Morbus Cushing, Hyperthyreose, o.ä. oder waren magersüchtig.

Für mich zunächst erstaunlich, denn in Deutschland werden magersüchtige Patienten nicht in der Inneren Medizin behandelt.

Sehr interessant war auch, den Unterschied des Medizinischen Systems von Frankreich gegenüber Deutschland zu sehen. Einige der magersüchtigen Patienten waren länger stationär untergebracht als ich dort gearbeitet habe. Auch Diabetes-Patienten sind oft mehrere Wochen für die Neueinstellung eines entgleisten Diabetes im Krankenhaus geblieben. Die durchschnittliche Verweildauer erschien mir deutlich länger als in Deutschland. (Internetrecherchen haben mein Gefühl allerdings nicht bestätigt.)
Interessant war auch das Arzt-Patienten-Verhältnis zu beobachten. Das Verhältnis empfand ich in Frankreich deutlich „freundschaftlicher“ als in Deutschland.

Die Ärzte haben deutlich länger mit den Patienten gesprochen und oft auch ausgiebig über medizinisch nicht relevante Themen, wie Fußball, die letzte Pfirsich-Ernte, das Fischen oder sonstige schöne Dinge des Lebens. Mit den anorektischen Patienten haben wir in einer Visite oft 20-30 Minuten / Patient gesprochen. Und das jeden Tag. Ganz schön lange.

Dokumentationstechnisch ist es auch etwas anders als in Deutschland. Jeden Tag wurde über 2-3 Absätze genau notiert, wie sich der Patient gefühlt hat, was er so den ganzen Vortag gemacht hat und alles andere .... z.B. was der Patient im Fernsehen gesehen hat und wie er darauf reagiert hat o.ä..

Leider gab es in der Zeit während ich PJ gemacht habe wenige interessante endokrinologische Fälle.

Resümierend, Südfrankreich war traumhaft schön. Der Klinikalltag eher so lala.