Wie läuft eine Operation ab?

Das ist eine Frage die ihr gestellt habt unter meinem letzten Instagram Post, in dem ich gefragt habe welche medizinischen Themen euch interessieren.
Ich finde die Frage extrem interessant, da ich denke, dass viele überhaupt nicht wissen wie eine Operation überhaupt abläuft.

Fangen wir ganz vorne an. Die gesamte Operation beginnt meist mit einem längerfristigen Krankheitsverlauf.
Bisher sind bereits einige Arztbesuche erfolgt und die konservative Therapie ist bereits gelaufen. Konservativ bedeutet: Medikamente einnehmen, Physiotherapie absolvieren, Abnehmen etc. (grob alles was nicht Operativ ist).
Irgendwann nehmen die medizinischen Probleme dann doch überhand und es kommt zu der Entscheidung vielleicht etwas anderes zu machen als Medikamente einzunehmen.
Hat der Patient sich einmal dafür entschieden sich operieren zu lassen und dank Google oder anderen Internetquellen seine Entscheidung bereits untermauert bleibt dem Arzt manchmal nur der Hinweis auf adäquate Therapie beziehungsweise der Verweis auf kompetente Chirurgen.

Nehmen wir als Beispiel eine Rachenmandel-Mandel Operation. Im Krankheitsverlauf klagt der Patient seit mehreren Monaten bzw. Jahren über wiederkehrende Mandel- & Rachenentzündungen die mit einem starken Krankheitsgefühlverbunden sind. Bie solch einer Krankengeschichte rät der operationswillige HNO Arzt zu einer Operation - zu der Tonsillektomie.
Die Tonsillektomie ist ein gutes Beispiel, da es eine relativ kleine Operation ist, dennoch eine komplette Anästhesie erfolgt und der Patient im Anschluss in der Regel einige Tage im Krankenhaus verbringt.

Alles beginnt mit dem ersten Vorgespräch. Das vor Gespräch kann entweder in der Niederlassung erfolgen, sofern der HNO Arzt auch operiert, oder das Vorgespräch erfolgt direkt im Krankenhaus. Das Vorgespräch führt der operierende Arzt mit dem Patienten und weißt den Patienten auf mögliche Risiken des Eingriffes hin und erklärt ihm den Ablauf des Eingriffs.

 

Dann erfolgt das zweite Vorgespräch, diesmal nicht mit dem behandelnden Chirurgen, sondern mit dem behandelnden Anästhesisten. Der Anästhesist beschreibt den generellen Ablauf einer Narkose und fragt den Patienten nach Körpergewicht, Körpergröße und Medikamentenunverträglichkeiten. Das Gespräch ist meistens relativ kurz.
Bei beiden Gesprächen sollte genug Zeit für Fragen des Patienten bleiben. Sind die Vorgespräche gelaufen, so kommt es zu dem nächsten Abschnitt - Dem Klinikaufenthalt mit Operation.

Für die meisten Eingriff ist es heutzutage üblich, dass der Patient am selben Tag an dem der Eingriff auch erfolgt, die Klinik aufsucht. Früh morgens gegen 7:00 Uhr wird der Patient erwartet, ihm wird seine Operationswäsche hingelegt, ein Bett wird bereitgestellt und dann wird der Patient nach einiger Wartezeit zur Operation abgerufen.

Ist der Patient im Bett hält er kurz vor Abruf seine Prämedikation. Prämedikation dient bei ängstlichen Patienten zur Beruhigung und Entspannung. Es werden z.B. Substanzen der Klasse: Benzodiazepine, Neuroleptika, Opioide oder Antihistaminika verwendet. Prämedikation wird nicht in jedem Fall gegeben.Ist alles soweit vorbereitet, wird der Patient in den Operationssaal abgerufen. Dies kann manchmal sehr lange dauern, da immer wieder Notfalloperation zwischen geschoben werden oder Operation die planmäßig kurz angesetzt sind, doch etwas länger dauern.

Der Patient wird in Bett von dem Pflegepersonal in den Operationsbereich geschoben und dann von seinem Bett auf eine Operationsliege verlagert. Dort findet auch der erste Kontakte mit dem Pflegepersonal des Operationssaal statt.
Ist der Schritt in den Operationssaal erst einmal geschafft, so wird der erste Arzt den der Patient sieht meist der Anästhesist sein. Viele Anästhesisten haben eine sehr beruhigende Art und versichern dem Patienten noch einmal dass alles gut laufen wird. Dann beginnt der Anästhesist auch schon mit der Narkose. Die Narkose erfolgt wiederum in verschiedenen Abschnitten.

 

 

Wer ist alles im Operationsraum?:
- Operationspflegepersonal: eine Person am Tisch (steril), und eine Person unsteril im Raum als Springer um mögliche fehldende Dinge während der Operation zu holen und anzureichen.
- Der behandelnde Arzt, oft ein Oberarzt oder Facharzt in Begleitung/mit Unterstützung eines Assistenzarztes
- Je nach Umfang und Größe der Operation können auch mehrere Ärzte beteiligt sein und mehr Pflegepersonal
- Anästhesist plus möglicherweise Anästhesiepflege
- In Lehrkrankenhäusern: Studenten die observieren.

 

Ist die Narkose geschafft, geht es relativ schnell los mit dem Schnitt.

Von der Verallgemeinerung zurück auf unsere Mandel OP geht es los. Der Chirurg nimmt das passende Instrument in die Hand und setzt den ersten Schnitt. Bei der Mandel OP greift der Chirurg mit der Pinzette oder die Mandeln und schält diese z.B. mit dem scharfen Löffel aus ihrer „Bucht“ heraus. Immer wenn geschnitten wird, dann kann es zu Blutungen kommen. Tritt eine Blutng auf, so muss diese gestillt werden. Meist wird hierfür ein Instrument benutzt, das wie eine Pinzette aussieht, durch das allerdings Hochfrequenter Wechselstrom fließt. Der Hochfrequente Wechselstrom (Auch Elektrokaustik) „verkohlt“ kleine gefäßöffnungn und verschließt diese somit.

Die nächsten Minuten oder Stunden erfolgt die Operation. Das Gewebe das raus genommen werden soll wird heraus genommen, dann wird zugenäht.
Ist die Wunde wieder verschlossen, so erfolgt die Anästhesie Ausleitung. Hier wird die Medikation der Narkose langsam reduziert und der Patient erwacht wieder aus dem Schlaf. Meistens ist in dieser Phase noch kein vollständiges Bewusstsein da, so dass der Patient sich nicht an diesen Zustand erinnern kann.

Oft verlässt der operierende Chirurg schon während der anästhesistischen Ausleitung den Operationssaal und schreibt den Operationsbericht.

Im Anschluss erfolgt entweder die Verlegung in den Aufwachraum, in dem der Patient langsam erwacht währenddessen noch Schmerzmedikation bekomme oder direkt die Ausschleusung aus dem Operationssaal.
Das Pflegepersonal der Station holt den Patienten wieder ab und bringt ihn zurück auf die Station. Im Verlauf erholt sich der Patient von der Operation und in unserem Beispiel Mandel Operation kann der Patient meist nach 2-3 Tage nach Hause gehen.
7 -14 Tage nach der OP, sehen sich Arzt und Patient zu einem Termin für die Nachbesprechung wieder. Hier wird die Wunderheilung begutachtet und Fäden werden gezogen.

That's it.