Das Pflegepraktikum

Das Pflegepraktikum. Ein Thema das viele Emtionen auslöst, viele freudige wie auch unangenehme Erinnerungen hervorruft und auf jeder Medizinerrunde in der Vorklinik ein super Gesprächsthema mit großem Unterhaltungswert bietet.

Zu meiner Zeit war, genau wie jetzt auch, ein 90tägiges, in der Vorklinik abzuleistendes, Pflegepraktikum Pflicht. Dabei war es nicht erforderlich, dass diese Moante zusammenhängen absolviert wurden.

Zwei Monate meines Pflegepraktikums absolvierte ich bereits direkt nach dem Abitur, vor dem Studienbeginn.
Ohne jegliche fundierte medizinische Vorbildung fand ich mich am ersten Tag mit den anderen neuen Pflegepraktikanten um 8 Uhr bei der Sekretärin ein. Wir holten uns Dienstkleidung und liefen im Anschluss auf unsere Stationen.
Ich habe bei der Bewerbung eine bestimmte Station angegeben, da ich vorab eine Empfehlung einer Nachbarin erhalten hatte. Auf dieser Station landete ich dann natürlich auch. Eine gemischte chirurgische Station in der alle chirurgischen Disziplinen vertreten waren.

Der zweite Tag war der erste richtige Tag. 05.20 aufstehen, fertig machen, 05:40 aufs Fahrrad, auf dem Weg den Proteinshake mit Haferflocken runterkippen.

06:00 im winzigen Aufenthaltsraum, der auf kuschlige gefühlte 35°C aufgeheizt war, mit 7-10 Schwestern die Übergabe machen. Bei dem dimmrigen Licht und der Hitze natürlich direkt wieder eingenickt. Meine anstrengenste Aufgabe und auch meine Hauptaufgabe jeden Morgen bestand vorerst nur dadrin wach zu bleiben und die Übergabe zu überstehen. Nach einigen Tagen fing ich dann auch an mir Namen zu den Patientenzimmer aufzuschreiben und die Diagnosen. Naja die Diagnosen hätte ich mir auch sparen können.

Nach der Übergabe ging es los zu den Patientenzimmern. Aufregend! Den ersten Tag bin ich nur mitgelaufen und habe mich mehr als einmal gewundert wie trocken der Humor der Schwestern doch war. Es schien kein Ekelgefühl mehr zu geben. Viele Abläufe erschienen mir damals unpersönlich und eher maschinell. Doch aus heutiger Sicht war das ganz normal.

Am dritten Tag durfte ich mit ran. Mir wurde am Vortag von einer anderen Praktikantin kurz erklärt, wie Blutdruck messen funktioniert, wie man die Temperatur mit dem Ohrthermometer misst und wie man Blutzucker misst. Viele Infos für den dritten Tag.
Als alle Schwestern aufsprangen und ich aus meinem Halbschlaf zwischen 06:00-07:00 erweckt wurde, wusste ich, jetzt geht’s los. Super! Ab zum ersten Patienten.

Blutdruckmessen durfte ich heute noch nicht. Temperaturmessen auch nicht, aber ich durfte Waschen. Waschen, das wurde mir nicht gezeigt sondern mit den Worten „Du weißt ja wie man sich wäscht“ erklärt.
Im ersten Patientenzimmer fragte ich den Patienten „Wollen Sie duschen?“ darauf kam die Antwort „Duschen?? Ohhjaa, gerne! Darf ich das denn schon wieder?“ Ich: „Joa.. warum denn nicht? Wird schon passen, wenn sie den Gipsverband aus der Dusche halten oder?“ Duschwilliger Patient.: „Ja denke ich auch.“

Den Patienten also zur Dusche begleitet. Badezimmertür zu gemacht, 30 Minuten draußen gewartet, dann kam eine Schwester rein und fragte was ich machte. Ich: „Den Patienten waschen. Er duscht gerade“ .. im Folgenden gab es einen kleinen Einlauf und am nächsten Tag musste ich mich Waschlappen und Schale per Hand waschen.

Das war aber auch ok. Da gab es viel Zeit mit den Patienten zu reden. Ab und an habe ich Trinkgeld zugesteckt bekommen, weil ich mit so viel Mühe gegeben hätte. Mir haben die Gespräche mit den Patienten Spaß gemacht und so brauchte ich pro Waschgang auch ca. 40 Minuten. Etwas länger als der Durschnitt. Etwas zu lang. So wurde ich nach nur zwei Wochen vom Waschen abgesetzt und durfte nun in allen ca. 24 Patientenzimmer Blutdruck messen, den Puls bestimmen, die Temperatur nehmen und die Vitalparameter in die Kurven einfügen.

Um 09:30-10:00 Uhr war ich meist fertig und war im Anschluss der Laufbursche. Wenn es irgendwo klingelte, musste ich zum Patientenzimmer laufen.
Ich half beim Frühstück und Mittagessen verteilen und fütterte ab und an Patienten. Natürlich ohne Einführung. Einmal hat sich ein Patienten am Brötchen verschluckt. Was ich in solch einem Fall machen sollte, wurde mir nicht erklärt... Aber zum Glück ist alles gut gegangen.

Manchmal kam einer der Chefärzte zum gemeinsamen Frühstück zu uns auf Station und ich versuchte fleißig Fragen zu stellen, die aber meist so banal waren, dass sie nicht viel positiven Eindruck erweckten, sondern mich oft eher als medizinisch absolut ungebildet darstellten.

Kein Problem. Jeder Fängt mal an.

Noch seltener hatte ich das Glück mit den Stationsärzten mitzulaufen und war stark beeindruckt von ihrem Wissen. Ein Assistenzarzt hat mir versucht die Erythropoese zu erklären. Ein
Wow. Wie konnte man sich so viele Details merken? Der Arzt hatte innerhalb von 5 Minuten meine Hochachtung gewonnen. Starker Typ. (ps.: er war Chirurg)

Eine Assistenzärztin hat mir mit einfachen Worten den anatomischen Aufbau der Hüfte erklärt und im Anschluss beschrieben, wie eine Hüft-TEP verläuft. Schon wieder war ich fasziniert.

Die Fachlichen Skills, die ich in zwei Monaten Pflegepraktikum gelernt hatte, sind an einer Hand abzuzählen: Blutdruckmessen, Puls und Temperatur messen, Waschen (mehr oder weniger).

Doch was einen viel höheren Wert hat und wirklich viel gebracht hat sind unzählige andere Eindrücke.
Ich habe das erste mal in meinem Leben den einen normalen Klinikalltag miterlebt. Ich habe zwei Monate lang jeden Tag Gespräche mit Patienten geführt und viel darüber gelernt, wie sich Patienten im Krankenhaus fühlen, was für unterschiedliche Persönlichkeiten es gibt und was für unterschiedliche Arten es gibt mit Krankheit umzugehen.
Ich habe gelernt, dass Schwestern und Pfleger mit den Ärzten arbeiten und nicht nur für die Ärzte. Je freundlicher man zu dem Pflegepersonal ist, desto freundlicher ist das Pflegepresonal zu dir.

Ich habe auch Einblicke in die teilweise noch sehr starre Hierachie des Krankenhauses bekommen.

Und vorallem bietet das Pflegepraktikum jedem angehenden Mediziner einen ersten Berufseinblick.

Meine Empfehlungen:

Zur Aufteilung des Pflegepraktikums:

1 Monate Chirurgie kann man sehr gut machen. Mehr muss aber nicht.

1 Monat Innere Medizin sollte ggf. auch absolviert werden um mehr Einblicke zu gewinnen.

1 Monat auf einer Station des eigenen Interessengebietes zu absolvieren ist anzuraten. Sei es 1 Monate Jugendpsychatrie, 1 Monat Pädiatrie, 1 Monat Infektologie, 1 Monat HNO oder auch nur jeweils 15 Tage. Das Pflegepraktikum bietet die erste Möglichkeit, Einblicke in die Medizin zu gewinnen.

 

Timing des Pflegepraktikums

Wer nach dem Abitur Zeit hat und nichts zu tun hat, kann schon dann 60-90 Tage des Pflegepratkikums ableisten. 30 Tage vor Beginn des Studiums abzuleisten ist definitiv zu empfehlen!

Falls ihr nach dem Abi lieber noch reisen wollt, macht das und leistet nur die 30 Tage ab.

Im Studium bleiben effektiv 3 Semesterferien um die 90 Tage des Pflegepraktikums abzuleisten, da in den vierten Semesterferien für das Physikum gelernt werden müssen und in der Regel die Zulassung zum Physikum bereits die Zeugnisse über alle Pflegepraktika erfordert.