Das PJ – Das Praktische Jahr.

 

In den vorangegangenen Blogsposts habe ich schon viel zum Aufbau und zur Struktur des Medizinstudiums erzählt.

Fast paradoxerweise habe ich noch nichts zu dem aller letzten Abschnitt des Studiums erzählt, in dem ich mich aktuell befinde. Dem Praktischen Jahr.

Nach 5 Jahren Studium in Regelzeit und abgelegtem Physikum, steht das zweite Staatsexamen bevor, kurz das STEX. Hierfür ist nochmal ein enormer Lernaufwand gefragt. Die meisten Studenten haben mit dem 100 Tage Lernplan für das Abschlussexamen gelernt. Also 100 Tage durchgelernt und im Anschluss die Prüfung erfolgreich abgelegt. Mehr dazu im Blogpost „Lernen im Studium“.
Ist auch das zweite Staatsexamen geschafft, steht dem Praktischen Jahr – (kurz PJ) nichts mehr im Weg.

Das PJ besteht aus einem ganzen Jahr lang Praktikum/ Hospitation in einem Krankenhaus. Der PJ-Student arbeitet im Krankenhaus wie ein Unterarzt mit und erledigt alle Aufgaben von Stationsarbeit bis zu Operationsassistenz.

Aufgeteilt ist das PJ in 3 Tertiale, somit sind wir Studenten jeweils 4 Monate in einer Abteilung.

Die Fächer Chirurgie und Innere Medizin sind Pflicht und ein Tertial ist frei wählbar. Viele Studenten nutzen diese Zeit, um noch einmal Erfahrungen im Ausland zu machen und/oder um das richtige Fachgebiet für sich selbst zu entdecken. An den meisten Universitäten ist egal, wo das Praktische Jahr abgeleistet wird, ob im Ausland oder einer beliebiger deutscher Stadt, bleibt dem Studenten überlassen. Manche Universitäten schreiben ein Pflichttertial an der Heimatuniversität vor.
Wiederum andere Universitäten haben des PJ nicht in 3 Teile aufgeteilt, sondern in 4.
Es wurde diskutiert, ob es einen Pflichtabschnitt im niedergelassenen Bereich, vorallem beim Hausarzt geben soll. Dieses Thema ist noch nicht abschließend geklärt, aber aktuell auch nicht mehr das Diskussionsthema Nummer 1.

Da ich weder in der Allgemeinmedizin mein PJ verbracht habe noch Quartale hatte, spreche ich nur über das herkömmliche System. Das PJ in Tertialen.

Vorab: Es empfiehlt sich das PJ dort zu absolvieren wo man im Anschluss auch seine erste Arbeitsstelle antreten möchte. Viele Chefs stellen gerne Ärzte ein, die sich schon als Studenten im PJ bewährt haben und sich teamfähig gezeigt haben und im besten Falle schon im Team integriert sind.
Also wenn ihr euch schon vor dem PJ sicher seid, dass ihr z.b. Anästhesie in Hamburg machen wollt, macht das PJ Tertial Anästhesie in Hamburg Sinn.

Das Chirurgie Tertial. Wenn Chirurgie nicht das Fach der Wahl ist, bietet das Chirurgie Tertial für viele Studenten die beste Möglichkeit nochmal ins Ausland zu gehen.
In der Chirurgie sind die Patientengespräche minimal und die Landessprache muss nicht perfekt sitzen. Der Fachjargon für den OP ist schnell gelernt und neben der Arbeit bleibt oft genug Zeit für außergwöhnliche Erfahrungen.

Vor meiner Entscheidung für mein Chirurgie Tertial habe ich mit vielen Kommilitonen gesprochen, die Ihr Chirurgie Tertial bereits abgeleistet haben um mir eine fundierte Meinung zu bilden.

Zusätzlich zum Fachlichen hatte ich den Anspruch noch eine Sprache zu lernen oder auszubauen. Daher habe ich mir Frankreich ausgesucht. Irgendwo im Hinterkopf erinnerte ich mich an Kolonien/Überseedepartments Frankreichs und nach kurzer Recherche zeigten sich 3 mögliche Überseestandorte – Maritnique / Guadaloupe und La Reunion.
Erasmusgefördert ging es nach Martinique! Eine unglaublich schöne Zeit voller atemberaubender Erinnerungen, die ich nicht missen möchte.
Mehr zu Martinique findet ihr in meinem Blogpost Martinique.
Chirurgie in Deutschland. Das Chirurgische Tertial kann in Deutschland ganz unterschiedlich ablaufen. Wie immer bringt Eigeninitiative und Engagement einen nach vorne und öffnet viele Türen und Möglichkeiten, die vielleicht sonst nicht da wären.
Aufgaben im Chirurgie Tertial sind vorwiegend: Patienten aufnehmen, Klinische Untersuchungen durchführen, Blut abnehmen, im OP assistieren, selbsständig kleine Eingriffe durchführen, ggf. Ultraschallen.
Einige Freunde haben berichtet, dass sie den OP-Saal kaum von innen gesehen haben, da sie während der Arbeitszeit zum großen Teil damit beschäftigt waren neue Patienten aufzunehmen, Blut abzunehmen und im Anschluss die Arztbriefe zu schreiben.
Einige Freunde berichteten, dass sie auf Station kaum Aufgaben hatten, sondern die meiste zeit im Operationssaal verbracht haben...
Kurzum – Das Chirurgie Tertial, wie auch die anderen beiden Tertiale,  können so oder so verlaufen. Am besten vorab Erfahrungsberichte durchlesen.

Was wird mitgenommen?: Vorallem praktische Fähigkeiten wie Nähen, Knoten, korrete Wundversorgung und ggf. auch die Einschätzung der Schwere gewisser Verletzungen sollte mitgenommen werden.
Auch theoretisches Wissen wird mitgenommen.

 

Das Innere Medizin Tertial:

Aufgaben im Innere Medizin Tertial sind vorwiegend: Patienten aufnehmen, Klinische Untersuchungen durchführen, Blut abnehmen, selbsständig kleine Eingriffe durchführen, ggf. Ultraschallen.

In der Inneren Medizin sind die Blutentnahmen oft sehr viel zeitaufwändiger, da es viel mehr Blutentnahmen gibt.

Mein Inneres Medizin Tertial steht mir noch bevor. Am 03.7. werde ich in Montpellier, Südfrankreich damit beginnen und bin schon jetzt voller Vorfreude.

 

Das Wahltertial:

Das Wahltertial bietet uns Studenten die Möglichkeit in ein Fachgebiet noch etwas genauere Einblicke zu gewinnen.
Wenn das spätere Fach Innere Medizin oder Chirurgie werden soll, nutzen einige das Wahltertial als Möglichkeit nochmal ins Ausland zu gehen. Andere nutzen das Wahltertial um in ein unterstützendens Fach Einblicke zu gewinnen. So machen einige angehende Chirurgen als Wahlfach Orthopädie oder Anästhesie. Einige Schlaufüchse unter den angehenden Chirurgen machen Gynäkologie, Urologie oder HNO, da in diesen Fächern auch sehr viel operiert wird und man noch mehr Ehrfahrungszeit am Operationstisch sammeln kann.

Wenn das Wahlfach das spätere Fachgebiet werden soll, bietet sich auch hier die Möglichkeit das Team der Klinik kennen zu lernen und sich schon während der PJ Zeit für den späteren Job zu empfehlen.

Ich habe mein Wahlfach in der Dermatologie absolviert, da ich in diesen Bereich möchte und das Wahlfach hat mich weiterhin in dieses Richtung bestätigt.

Abwarten, wo es mich am Ende des Praktischen Jahres hinverschlägt.. (: