Wenn ihr den Blogpost Malte gelesen habt, habt ihr schon ein wenig über mich erfahren. In diesem Blogpost erzähle ich euch wie und wieso ich zur Medizin gekommen bin und beantworte damit hoffentlich eine oft gestellt Frage.
Ich spreche lediglich über meine persönlichen Erfahrungen, ich möchte nicht pauschalisieren.

 


Mein Lebenstraum Arzt? – Meiner nicht. Jedenfalls nicht schon immer!

Bei mir war es ein sehr langwieriger Prozess bis ich mich für das Studium entschied, daher wird dies auch ein eher langer Blogpost.

Man hört immer wieder von Medizinern, sei es Krankenschwester/-Pfleger, Op-Assistentin, Arzt etc., die ihr Leben lang schon Medizin machen wollten und diesen Traum bereits seit der Kindheit haben. Bei mir war das nicht so. Und auch im Studium und im Krankenhaus habe ich nur wenige Menschen kennen gelernt, die schon ihr Leben lang Medizin machen wollten. Die meisten sind so wie ich „reingerutscht“.

 

Kurz: Meine Entscheidung für das Medizinstudium basiert auf meinen Erfahrungen, die ich in verschiedenen Praktika, Vorbereitungskursen und unzähligen Gesprächen gemacht habe.

 

Lang: siehe unten.

 

Wie kam ich also zur Medizin?

Ich hatte das große Glück in der Schulzeit sehr viele obligate Praktika machen zu müssen. So habe ich bereits ab der siebten Klasse erste tiefere Einblicke in das Berufsleben bekommen.

Bis zur 10ten Klasse hatte ich die Chance in verschiedenen mittelständischen Unternehmen sehr viele Einblicke in verschiedene Bereiche der Wirtschaft und Industrie zu bekommen. *(Mittelständisches Unternehmen = mehr als 250 Mitarbeiter und mehr als 50Millionen Umsatz https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelstand )

Ich war eine Woche im Personalwesen, eine Woche im Marketing, eine Woche in der Buchhaltung, eine Woche in der Produktion mit Industriemechanikern, eine Woche in der Logistik/Lager etc... ich habe fast alle Bereiche gesehen, die es in Mittelständischen Unternehmen gibt.

Ich habe an allem Gefallen gefunden, doch irgendetwas hat gefehlt. Im Büro hat mir der manuelle Part gefehlt. In der Produktion hat mir der persönliche Aspekt gefehlt. Im Finanzwesen habe ich mich pudelwohl gefühlt, doch auch hier hat mir der manuelle und operative Part gefehlt.

Nur noch ein Jahr bis zum Abitur, aber ich wusste noch nicht so recht was ich danach machen wollte.

Meine Schwester war bereits fast fertig mit ihrem Medizinstudium und wie Jugendliche so sind, wollte ich in meiner rebellischen Phase auf jeden Fall etwas anderes als meine große Schwester studieren.
Ich kenne einige Kommilitonen, denen es ähnlich erging und aus Trotz tatsächlich erst etwas anderes studierten.

Daher hier der Appell: Falls ihr denkt, dass dieses Szenario auch auf euch zutreffen könnte, geht nochmal in euch und überlegt weshalb ihr kein Medizin machen wollt. Sind es wirklich sinnvolle Gründe?

Nach der Schule besuchte ich nachmittags eine Zeit lang Jura Kurse für Oberstufenschüler an der Uni Bremen. (http://www.uni-bremen.de/studium/studienorientierung/veranstaltungen-der-faecher.html) Ein großartiges Programm in dem Oberstufenschüler Vorlesungen besuchen, die von Juristen gehalten werden. Ein Teil der Vorlesungen war immer die Frage und Antwortstunde mit Jurastudenten höherer Semester. Fabelhaft.

Direkter Kontakt mit Studenten. Die, die es am eigenen Leib erleben. Ich hatte viele Fragen, die ich stellte. Doch war ich mit den Antworten nicht so sehr zufrieden und entschied mich nach wenigen Wochen gegen Jura.

Ich überlegte also zu Hause, was ich nach dem Abitur machen sollte... Mein Vater war stets davon überzeugt, dass ich Wirtschaftler werde. Doch nach einem langen Telefonat mit meiner Cousine, die seit vielen Jahren als Wirtschaftsberaterin in einer namenhaften Beratungsfirma arbeitet, entschloss ich mich gegen ein Wirtschaftsstudium.

Mathe, Physik und Biologie fand ich Interessant. Auf den Berufsorientierungstage der Uni Bremen habe ich mich über weitere Studiengänge wie Wirtschaftsingeneur, Maschinenbau und Wirtschaftpsyhologie informiert. Alles interessant! Aber irgendwie zu spezifisch.

Was, wenn ich in 5 Jahren etwas ganz anderes machen möchte?

Ich überlegte nochmal. Bat erneut meine Eltern und auch meine Schwester um Rat und nach einigen Diskussionen kristallisierte sich heraus, dass Medizin vielleicht gar keine so „schlechte“ Wahl ist.
Ich hatte ein riesen Interesse am menschlichen Körper. Nach meiner Rückkehr aus den USA habe ich mich mit dem „Fintess-Virus“ infiziert und in der zwölften Klasse auch meinen Fitness-Trainer-Schein, B-Lizenz gemacht. Das passte schonmal ganz gut.
Ich fand Naturwissenschaften interessant und wollte irgendwas mit Meschen aber auch irgendwas mit haptisches, irgendwas praktisches machen. Ich wollte am Ende des Tages sehen, was ich geschafft habe. All diese Anforderungen, die ich an meinen zukünftigen Beruf stellte, erschienen mir in der Medizin erfüllt zu werden.

Und auch damals wusste ich schon, falls ich doch kein Arzt werden möchte, bleiben unzählige andere Möglichkeiten. Von Medizinjournalist, Wissenschaftler, über ärztlicher Mitarbeiter in Pharmaunternehmen, Wirtschaftberater, Büroarbeiter bei den Krankenkassen, Investmentbanker etc..

Die Möglichkeiten erschienen vorerst nicht so stark eingegrenzt zu sein wie bei anderen Studiengängen.

Ich begann also vor dem Studium schon mit dem Pflegepraktikum. Auch wenn ich als sehr selbstbewusster und ab und an wahrscheinlich etwas vorlauter Junge viel Kontra vom Pflegepersonal erhielt, gefiel mir das Pfelgepraktikum sehr gut.Ich liebte den Patientenkontakt. Und durfte sogar ab und an mit den Ärzten mitlaufen.

Mehr dazu in meinem Beitrag zum Pflegepraktikum.

Durch das Pflegepraktikum positiv gestimmt, entschloss ich mich für das Medizinstudium.

Meine Entscheidung für das Medizinstudium war also keineswegs schnell getroffen.

Doch wenn ich heute zurück blicke, bin ich sehr froh, dass ich mich so entschieden habe. Jetzt gegen Ende des Studiums erscheinen vorerst viele Möglichkeiten offen zu sein. Der Beruf ist extrem sinnvoll und  gibt der Gesellschaft einen gewissen Mehrwert. Auch wenn das Studium teilweise sehr anstrengend war, bin ich jetzt, kurz vor Schluss, extrem glücklich mich „durchgekämpft“ zu haben.
Und freue mich auf die bevorstehenden spannenden Jahre.