Was ist eine ärztliche Visite und wie läuft sie ab?

 

Das Wort Visite leitet sich aus dem Lateinischen „visitare“ ab und bedeutet besuchen. Es bezeichnet das Besuchen der Patienten von einem Arzt oder mehreren Ärzten am Krankenbett. Im Ärztejargon im Krankenhaus ist damit meistens die morgendliche Visite gemeint. Die Assistenzärzte, Fachärzte, Oberärzte und an manchen Tage der Chefarzt (siehe „Chefarztvisite) gehen dabei in die einzelnen Patientenzimmer und befragen die Patienten nach ihrem aktuellen Zustand und werden dabei häufig von Mitarbeitern der Pflege begleitet. Dabei wird die bereits stattgefundene Diagnostik und Therapie besprochen und die nächsten Schritte werden geplant. In Kliniken, die Medizinstudenten unterrichten, nehmen auch die Studenten teil und haben teilweise bereits die Aufgabe Patienten zu betreuen und während der Visite den Kollegen vorzustellen.

Was bedeutet die Visite für den Patienten:

Die Visite bietet die beste Möglichkeit für den Patienten Fragen über die eigene Krankheit und deren Folgen auf Körper und Psyche zu stellen. Außerdem kann auf die Diagnostik und Therapie der Krankheit eingegangen werden.

Bei mehreren Fragen ist es anzuraten vorab alle Fragen aufzuschreiben, damit keine Frage in der Aufregung der Visite vergessen wird.

 

Was bedeutet die Visite für die Ärzte:

 

Die Visite nimmt für die Ärzte eine wichtige Rolle im Stationsbetrieb ein. Meist stellt der Assistenzarzt, der den Patienten aufgenommen und untersucht hat, den Patienten den anderen Ärzten in der Visite vor. Danach wird, wie bereits kurz erwähnt, der Patient nach dem aktuellen Gesundheitsustand befragt. Außerdem werden Anordnungen für die Pflege schriftlich festgehalten. Der Krankheitsverlauf wird dokumentiert. Beschwerden werden, wenn möglich, medikamentös oder konservativ behandelt. Es wird über diagnostische Maßnahmen, wie etwa ein Röntgen oder ein MRT diskutiert, welche Laborwerte bestimmt werden sollen und vieles mehr.

Dabei unterscheiden sich Visiten in unterschiedlichen Fachbereichen enorm.

Eine chirurgische Visite findet gegen 7 Uhr morgens statt, dabei werden oft Verbände geöffnet und die Operationswunden beurteilt. Patienten werden kurz vor ihren Operationen noch angeschaut und z.B. das zu operierende Bein mit einem Stift markiert, falls dies noch nicht am Tag davor erledigt wurde.

Während einer chirurgischen Visite bleiben oft nur wenige Minuten oder gar nur ein Bruchteil einer Minute pro Patient.

In den nichtchirurgischen Fächern der Medizin kann im Gegensatz dazu je nach Patient und Krankheitsgeschichte viel Zeit für einen Patienten vergehen, weil die Behandlung der Krankheitsbilder teils komplexer ist. Diagnostik geplant werden muss, oder z.B. eine geplante Therapie nicht wie erwünscht anspricht.

Es gibt die sogenannte „Chefarztvisite“, die je nach Klinik und Fachrichtung meist ein bis zweimal pro Woche stattfindet. Dabei führt der Klinikdirektor die Visite an und lässt sich die Patienten von den betreuenden Ärzten vorstellen. Für junge Assistenzärzte und Medizinstudenten sind diese Visiten meistens etwas nervenaufreibender.

Außerdem gibt es die sogenannte „Kurvenvisite“, dabei gehen die Ärzte nicht in die Patientenzimmer, sondern besprechen die Patienten anhand ihrer Akte. Insbesondere werden dabei neue Befunde wie Laborwerte und Bilder von der CT, MRT oder Röntgenaufnahmen etc. angeschaut. Das hat einerseits den Vorteil, dass es schneller geht als in die einzelnen Patientenzimmer zu gehen, andererseits können gezielte Fragestellungen im Ärzteteam zuerst in Ruhe untereinander besprochen werden, um es dem Patienten zu einem späteren Zeitpunkt im Einzelgespräch mitzuteilen.

Schwierige, oder potenziell lebensverändernde Gespräche sollten nicht im Mehrbettzimmer während der Visite geführt werden. Dafür sollte ein Extratermin ausgemacht werden, am Besten in ruhiger Atmosphäre wie etwa in einem Untersuchungszimmer. Außerdem sollte mehr Zeit als in der Visite eingeplant werden.

Dasselbe gilt für Aufklärungsgespräche vor Operationen.

Im praktischen Krankenhausbetrieb, in dem oft nicht ausreichend Zeit oder geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, ist das nicht immer umsetzbar, es sollte aber, wenn möglich, immer berücksichtigt werden.