Vorklinik vs Klinik

Gehäuft kam die Frage auf, wie der vorklinische Studienabschnitt verlief und wie der klinsche Studienabschnitt verlief.

 

Es kursiert das Gerücht, dass der vorklinsches Studienabschnitt bis zum Physikum die Hölle sei und danach alles besser wird.
Ganz stimmt das nicht, aber einiges Wahres ist an der Aussage definitiv dran.

Die Vorklinik beginnt die ersten 2-4 Wochen ganz „entspannt“ nur mit Vorlesungen.
Doch ziemlich schnell ist die entspannte Zeit vorbei und es beginnen die ersten Prüfungen, die im einwochen oder zweiwochen Takt anstehen.
Bei uns ging es los mit Anatomie - 1x/Monat ein mündliches Testat zu dem gelernten Stoff der letzten 4 Wochen. Biologie Phsyik und Chemie waren auch im ersten Studienjahr dran.

Im zweiten Studienjahr ging es weiter mit den prüfungslastingen Fächern Biochemie, Physiologie, Chemie Praktikum, Neuroanatomie und etwas entspannteren Fächern wie Pyschologie u.a.
In der Vorklink ist es ein sehr kontinuierlicher Lernaufwand gefragt, denn jede Woche oder mindestens jede zweite Woche besteht die Gefahr testiert zu werden.
Das ist auf der einen Seite extrem nervig und anstrengend, auf der anderen Seite wird man genötigt, tatsächlich immer zu lernen und muss dann für die Abschlussprüfungen nicht mehr gaaaaanz so viel lernen.

Jeder, der sich aktuell in der Vorklink befindet, regt sich über den Prüfungsaufwand auf und sehnt sich danach endlich in der Klink anzukommen.

Insbesondere das dritte und vierte Semester war sehr anstrengend. Die Zeit verging wie im Flug und viel Zeit für Aktivitäten abseits der Uni blieben nicht.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass die ersten zwei Jahre schwerer waren, da ein Studium etwas ganz anderes als Schule ist und erstmal eine Gewöhnungsphase durchlaufen werden muss.

Was die Vorklink weiterhin von der Klinik unterscheidet sind deutlich mehr Pflichtseminare.
Vorlesungen sind an den meisten Universitäten in der Vorklink und Klinik fakulative Lehrveranstaltungen.
Die Verteilung und Taktung der Prüfungen ist natürlich Studienstandort abhängig.

Das erste Staatsexamen / Physikum bestanden und angekommen in der Klinik! Für viele sind die Zeiten der Qual nun vorüber.

 

Der größte Pluspunkt der Klink ist, dass alle Prüfungen am Ende des Semesters geschrieben werden. So kann es vorkommen, dass innerhalb von 2-3 Wochen 5-10 oder mehr Prüfungen geschrieben werden.
Das ist eine erhebliche Entlastung während des Semesters, doch spätestens einen Monat vor der ersten anstehenden Prüfung haben alle begonnen zu lernen. Diese Lernzeiten sind sehr intensiv und auch hier bleibt wenig Zeit für Aktivitäten neben der Lernphase.

Da es unter dem Semester sehr viel entspannter ist, bleibt genug Zeit für eine gesunde Work Life Balance und viele Mediziner blühen während dieser Zeit auf.
Im fünften Semester stehen noch viele Basisfächer wie Pharmakologie, Klinische Chemie oder Mikrobiologie an. Der Unterricht dieser Fächer findet überwiegend im Seminarraum statt.

Im Verlauf des weiteren Studiums kommen mehr und mehr UAK Kurse hinzu. UAK steht für Unterricht am Krankenbett. Hier werden in Kleingruppen von 3-10 Studenten Fallbeispiele auf Station mit einem Arzt besprochen, und tatsächlich direkt am Patientenbett klinische Untersuchungen o.Ä. demonstriert.

Gegen Ende des Studiums wird es dann nochmal etwas anstrengender. In den letzten beiden Klinischen Semestern standen bei uns so viele UAK-Lehrveranstaltungen auf dem Lehrplan, dass wieder tägliche Anwesenheitspflicht in der Uni herrschte und teilweise von 8-17 Uhr Unterricht war. Nebenbei ging die Lernerei für das bevorstehende Staatsexamen los.

Resümierend kann gesagt werden, dass die Vorklinik eher schulische Strukturen mit sehr vielen Plfichtseminaren und kontinuierlichen Prüfungen aufweist.
Im klinischen Studienabschnitt kann das wahre Studentenleben erfahren und genossen werden. Die zur Verfügung stehende Zeit kann sehr frei eingeteilt werden. Wenige Pflichtseminare und keine obligate Anwesenheit in Vorlesungen ermöglichen nebenbei verschiedensten Hobbies nachzugehen und sich neben der Uni weiterzubilden, eine Doktorarbeit zu beginnen oder gar relativ viel zu Arbeiten.

Ich persönlich habe die freie Zeit und die Freiheiten im klinischen Studienabschnitt sehr genossen.